Besser wird‘s nicht, Herr Fendrich! (2013)

hallo

Falls Sie hier nun überrascht darüber sind, dass in meinen Alben Rezensionen ein solcher Name wie Reinhard Fendrich auftaucht, den kann ich beruhigen! Ich hab neben Rockopern und diversen Metal Projekten auch nichts gegen Musik einzuwenden, die in meiner Muttersprache sich verbreiten kann. Neben Grönemeyer, Karat, Silly, Lindenberg, Maffay und Julia Neigel, um nur einmal einige zu nennen, kann sich nun auch ein gewisser Herr Fendrich ein Bienchen an sein Jackett heften. Mit seinem Album BESSER WIRDS NICHT hat er mich davon überzeugt, dass auch so ein Album in meinen vier Wänden sich gut machen würde.

In welche Schublade Sie dabei den österreichischen Liedermacher nun stecken möchten, überlasse ich Ihnen. Für meinen Teil kann ich nur behaupten, dass ich mit dem Fendrich bis zu diesem Album wenig zu tun hatte. Ich bin auf diesen Austropop Veteran über ein Interview im Fernsehen gekommen, was ich als sehr interessant empfunden habe. Die Anmerkungen des Moderator über die sehr kritischen Themen, die Fendrich auf diesem Album behandeln soll, ließen mich aufhorchen und machten mich ein wenig neugierig. Natürlich habe ich mir weiter Informationen über das neueste Werk im Web beschafft. Hilfreich waren hier einige Videos von einem privaten österreichischen Fernsehsender, der vor einiger Zeit eine Albumpräsentation sich gegönnt hat.

Damit konnte ich für meinen Teil zumindest eines ausschließen. Mit der heilen Welt des deutschen Schlager hat dieses Album recht wenig zu tun. Nach dem ersten Durchören hänge ich mich sogar so weit aus dem Fenster, dass die Schublade „Deutscher Schlager“ für dieses Album beruhigt geschlossen bleiben darf. Für diese Kategorie ist das Fendrich Album BESSER WIRDS NICHT zu sperrig und kritisch. Zumindest habe ich, wenn es um die besagte Richtung geht, immer das Klischee der heilen und unsagbar schönen Welt im Hintersinn, die permanent durch die rosarote Brille betrachtet wird.

Auch musikalisch lebt das Album von seiner vielfallt. Fendrich nutzt Country, Acoustic, Swing, Big Band Sound, kleine symphonische Streicheleinheiten und vielleicht sogar ein wenig Reggae und mischt dieses unkonventionell zusammen. So erhält er ganz eigenwillige und markante Songstrukturen, die sich in die Seele einbrennen und die den gewissen Songs die nötige Unterstützung geben, um gehört zu werden. Der Rest ist geschmackliche Orientierung jedes Einzelnen.

Wirklich beeindruckend finde ich die Texte, die zum einen durch seinen österreichischen Dialekt, zum anderen durch die Inhalte leben. Hier spürt man förmlich, dass der Fendrich im hier und heute bodenständig und scharfsinnig die aktuellen Themen der Leute auf der Straße aufgreift und daraus seine Lieder macht. Das zeigt wie geerdet der Typ zu sein scheint! Es ist selten, dass ich so viel gesellschaftskritische Thematik auf einem einzigen Album zu hören bekommen habe. „Freunde und Propheten“ würde ich hier vergleichshalber nennen!

Fendrich legt den Finger bewusst und gekonnt in die Wunde. Sei es das höher, schneller, weiter in allen gesellschaftlichen Zwängen, sei es das sinn- und barrierefreie Fernsehprogramm oder sei es das skrupellose und scheinheilige Verhalten einiger weniger. Fendrich ist bei weitem kein Nörgler, wie er in deutschen Geschichtsbüchern mittlerweile stehen dürfte! Vielmehr hält er der aktuellen österreichischen Gesellschaft den Spiegel vor! So bekommt das vermeintlich starke Geschlecht genau so sein Fett weg, wenn auch mit einem großen Augenzwinkern. Ich glaub genau diese Mischung ist es, die dieses Album für mich so interessant machen kann. Nachdenkliche Momente wechseln sich mit Momenten ab, bei denen man sich schmunzelnd wiedererkennen kann.

So spielen sich „Schön schoppen“, „ Wenn Männer verletzt sind“, „Wie Gott im Werbespott“, „Doku Soap“ und „Zwa Schlapf’n und a Sonnenbrü’n“ in meine Favoritenliste des Albums. Ganz besonders möchte ich „Die, die wandern“ und „Hinter verschlossenen Türen“ hervorheben, die mich durch ihre Kraft und nachdenklichen Momente sehr beeindrucken konnten…