Dezember 6 2020

Extrablatt No. 4 / 2020

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Dezember 2020 – es ist an der Zeit, um über Musik zu quatschen. Meine Musik! Niemand bekommt diese Empfehlungen nur einfach so in einem Newsfeed oder den Messenger Neuigkeiten um die Ohren geballert. Ihr selbst habt diese Entscheidung aktiv und hoffentlich bewusst getroffen. Ich laufe nicht in meinem privaten Umfeld herum und lade ständig Leute ein, damit sie die Website oder das Extrablatt besuchen. Es muss nicht! Aber es darf im World Wide Web gefunden oder über Eure Art der Propaganda gern verbreitet werden. 30 Jahre nach der Erfindung der ersten Website dürfte diese persönliche Einstellung mittlerweile in Richtung „Old School“ abdriften.

plattenspieler

Meine Empfehlungen 2020:

We are the One
(melodic power metal)

Wer auf wundervolle Kompositionen, grandiose Gitarrensoli, symphonische Bombardements und melodischen Power Metal steht, ist bei Magnus Karlsson genau richtig. Das Soloprojekt des schwedischen Instrumentenwunders gibt es dabei schon seit 2011 und geht mittlerweile in seine dritte Runde. Laut Wikipedia ist:

…Magnus Karlsson ein schwedischer Heavy Metal Songwriter, Gitarrist, Multiinstrumentalist und Produzent. Derzeit ist er Session-Musiker und Songwriter der Band Primal Fear sowie für andere Projekte (u.a. Free Fall) zuständig…
(Zitat: wikipedia.en)

Meine erste Begegnung mit diesem Projekt ist sehr überzeugend. Die grandiosen Stimmen der Gastmusiker sind das tragende Gerüst des Albums. Dino Jelusić sticht dabei mehr als hervor. „Hold Your Fire“ und „Under The Black Star“ sind meine persönlichen Favoriten. Aber auch Noora Louhimo kann bei der Ballade „Queen Of Fire“ voll überzeugen. Was diese Dame stimmlich aus dem ruhigen Song herausholt grenzt schier an Wahnsinn! Hier kann ich sogar die Kritiker verstehen, die sich Noora eher bei einer härteren Nummer gewünscht hätten.

Einen kleinen Dämpfer gab es für mich nur bei „All The Way To The Stars“. Irgendwie hat dieser Song mich aus meiner melodischen Attitüde des Power Metal Konzepts herausgerissen, tut aber dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.

Human 2 Natur
(symphonic metal / mystic music)

Nightwish braucht man in der Welt der Metaller nicht gesondert vorzustellen. Seit fast 25 Jahren headbangen die Finnen in einer Atmosphäre, wo die Luft für die meisten Musiker mehr als zu dünn erscheint. Brillante Songs im epischen Filmarrangement sind mittlerweile ihr Markenzeichen, was sie auch auf dem Doppelalbum „Human 2 Natur“ gekonnt umsetzen.

5 Jahre hat es gedauert, bis sie mit diesem wundervollen Album um die Ecke gebogen sind. Bis dato haben sie sich, neben der Produktion des Albums, vorwiegend um eigene private Projekte gekümmert. Das nun erschienene Werk wird durch zwei Komponenten getragen: Menschen und Natur. Es darf gern als Konzeptalbum angesehen werden. Ich erspare Euch an dieser Stelle aber das schon geschriebene einfach zu wiederholen.

Der Opener „Music“ donnert in einer filmreifen Attitüde gleich 7 Minuten wundervoll durch die Ohren der Zuhörer. Dabei ist zu spüren, wie man regelrecht in die Boxen der eigenen Anlage gesaugt wird. Dort bleibt man auch bei „Shoemaker“, der sich bis zum Schluss in einem überwältigenden choralen Ohrenschmaus entlädt. „Harvest“ hingegen dümpelt mir anfangs ein wenig zu sehr herum, kann sich aber im Laufe der einsetzenden irisch/keltischen/mittelalterlichen (?) Momente noch hervorragend aus der Affäre ziehen.

Pan“ ist mein persönlicher Liebling des gesamten Projekts! Man wird hier regelrecht Ohrenzeuge, wie ein echter Stern im Nightwish – Universum zu leuchten beginnt. Das Wechselspiel zwischen klassischem Symphonic Metal und orchestralen Elfenrock ist dabei eine ganz große Stütze. Ich sehe hier direkt vor meinem geistigen Auge, wie der Tuomas wild seine Band dirigiert und das Headbanger – Geschwader sich permanent die Köpfe blutig schlägt. Kein Wunder, bei den unterschiedlichen Tempi im Song. Aber keine Angst! Nightwish geben Euch die benötigte Pause im seichten Fahrwasser der beseelten Melodien. Mit „Tribal“ überwinden sie später einige kleinere wilde Kaskaden, um im theatralischen Fahrwasser von „Endlessness“ einen Zwischenstopp einzulegen.

Spätestens jetzt wird es für Euch Zeit, das filtrierte Wasser Eures alkoholischen Kaltgetränks loszuwerden, Euch den Ledersmoking und das Abendkleidchen über zuwerfen und die Lauscher gewaltig zu spitzen. Denn was der Holopainen auf dem zweiten Teil des Albums anstellt hat Weltformat! 30 Minuten setzt sich der kompositorische Kopf mit dem Thema Natur auseinander und lässt Euch dabei in ein instrumentales Fantasiegebilde aus weiten Landschaften, grünen Wiesen, steilen Berghängen und mystischen Wasserwelten entfliehen. Das alles, ohne dafür auch nur einen visuellen Anreiz zu gebrauchen! Ich ziehe meinen Hut davor.

Royal Tea
(experimental Blues)

Joe Bonamassa gehört seit vielen Jahren zur Sperrspitze der amerikanischen Gitarrero Fraktion. Diesen Status hat er sich seit seiner Jugend mit Fleiß und Akribie redlich verdient. Vor zwei Jahren konnte er mit Beth Hart und ihrem gemeinsamen Albumprojekt bei mir voll überzeugen. Nun lädt der US – Bluesgitarist zur königlichen Teatime. Sein neuester Streich wurde in den legendären Abbey Road Studios in England aufgenommen.

Der 7minütige Einstiegssong „When One Door Opens“ wird mit filigranen Streichereinheiten und schnörkellosen Gitarrenschrammel – Sequenzen regelrecht zu einer ungewohnten Bombast Blues Nummer hoch sterilisiert. Gewöhnungsbedürftig, aber aus meiner Sicht mehr als gelungen. Wer Schwierigkeiten mit solchen Experimenten hat, sollte die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. Denn der nachfolgende Titelsong des Albums entfaltet sich nun in einer gewohnten Blues Rock Nummer der Extraklasse. Hier verdeutlicht sich eindrucksvoll, warum man Bonamassa diesen exzellenten Ruf als Gitarrist regelrecht hinterher wirft.

Was beim Rock und Metal die Balladen bewirken, darf auch beim Blues nicht fehlen. Die Slow Blues Nummer „Why Does It Take So Long To Say Goodbye“ zeigt aber den winzig kleinen Unterschied. Die Gitarre wird bei dieser Form der Musik zum emotionalen Bindeglied mit dem Hörer. In der Folge testet sich Joe ein wenig wild durch das musikalische Gebilde dieser Richtung, ohne dass er dabei Langeweile erzeugt. Ganz im Gegenteil! Es sind eine Menge interessanter Ideen und Kopplungen zu hören, die sich gelegentlich ziemlich weit vom Blues entfernen. Die Fans von Gitarrensoli werden hier aber voll auf ihre Kosten kommen.

Genau wie Bonamassa sein Album „Royal Tea“ beginnt, so steigt er auch aus dieser Produktion aus. „Lonely Boy“ und „Savannah“ dürfen sich noch einmal wundervoll auf ungewöhnlichem Terrain bewegen und verdeutlichen, dass dieses Werk nicht im klassischen Blues einzuordnen ist. Es ist geprägt von vielen musikalischen Experimenten, die dem angestaubten Image des Blues etwas Erfrischendes verleihen. Ich bin sehr zufrieden und kann es an dieser Stelle nur wärmstens weiterempfehlen.

Natürlich gibt es noch weitaus mehr neue Musik und Alben. Ich kann sie nicht alle hier berücksichtigen! Wenn für Euch nichts dabei gewesen ist, dann sucht weiter im Web nach der Musik Eures Geschmacks. Wenn Euch meine Empfehlungen zu sanft erscheinen, dann werdet ihr eventuell bei El Puerto Records oder Nuclear Blast fündig. Klickt auf die Labelnamen, um direkt zu ihnen zu gelangen! Falls Ihr dann sogar gefallen an etwas finden solltet, dann entschließt Euch einfach ein Album zu kaufen. Denn Ihr unterstützt damit nicht nur die Bands und Musiker!

happy holidays

Nun aber genug mit dem Geschwätz und vielen Dank für Euren Besuch in 2020. Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und ein hoffentlich besseres neues Jahr!

12 bis 13. Dezember 2020

happy holidays

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VeröffentlichtDezember 6, 2020 von andreasryll in Kategorie "Albumkritik (Musik)